Pro Helvetia, Schweizer Pavillon - La Biennale di Venezia 2018, 2017

Schweizer Pavillon - La Biennale di Venezia 2018

Neubau

 

Projektwettbewerb:

Zweistufiger Wettbewerb im selektiven Verfahren

1. Runde:

81 Teilnehmer

2. Runde:

5 Teilnehmer

Ort:

Venedig, Italien

Projekt:

Schweizer Pavillon für die 16. internat. Architekturaustellung

 

La Biennale di Venezia, 2018

in Zusammenarbeit mit:

PACK:

 

Charles O. Job, charlesjob.com

 

Cornelia Faist, thatsattitude.com

 

Brigitte Lampert, brigittelampert.ch

 

Katharina Hofer, kathrinhofer.ch

Auftraggeber:

Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia

 

Ausschreibung Wettbewerb

 

Resultate Wettbewerb

No man is an island  - Shared resources
 
Shared resources
Die Schweiz ist ein kleines, aber starkes Land mit vielen Ressourcen. Knapp ist die Ressource Grund und Boden. Wir müssen zusammenrücken, nicht nur in der Schweiz. Die schnell wachsende Bevölkerung und Populationsverschiebungen machen das Thema urbane Verdichtung zum Dauerbrenner. Doch Verdichtung kann nicht nur eine möglichst hohe Ausnutzungsziffer bedeuten. Wir sind aufgefordert, neue Wege des Zusammenlebens, des Gebens und Nehmens, zu finden. Gleichzeitig drängt sich angesichts des aktuellen Diskurses der Zuwanderung ein Nachdenken über eine Öffnung nach außen auf. Diesem Thema wollen wir uns widmen: Verdichtung zum Nutzen aller.
 
Die Giardini sind vollendet, die Schweiz verdichtet
Wir stocken auf und bauen einen «Pavilion on top of the pavilion». Die zusätzlich gewonnene und bereits bestehende Ausstellungsfläche begreifen wir als territoriale Ressource der Schweiz: mehr Raum für eine offene, interkulturelle Kommunikation. Verdichten alleine ist noch keine architektonische Qualität. Die Nähe und das Zusammenrücken sind die Herausforderungen. Sie setzen Dialogfähigkeit voraus. Unter dem Motto «no man is an island» entsteht eine erweiterte Vermittlungsplattform zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen. Wir interessieren uns nicht nur für mehr Platz, sondern im gleichen Masse für Verdichtung und Austausch von Erfahrung, Information und Know-How. Wir wünschen uns - im wahrsten Sinne des Wortes – mehr Reibungsfläche für Begegnungen und Interaktionen.
 
Aufeinander und Miteinander: A pavilion on top of the pavilion
Quer zum Bestand fügt sich der neue Holzpavillon harmonisch zwischen die Dächer von Zeichensaal und Skulpturenhalle. Vom Hof aus erreicht man über eine Treppe die bestehende Dachlandschaft. Ein Steg führt über das Vordach entlang der Skulpturenhalle zum Holzpavillon. Ganz unerwartet eröffnet sich der Blick auf den neu gewonnenen Raum. Die Verdichtung ist für den Besucher auf allen Ebenen sicht- und erlebbar und ermöglicht eine andere Perspektive auf den existierenden Pavillon von Giacometti. Der langgestreckte Baukörper öffnet sich sowohl zu den Gardini als auch zur Lagune hin und stellt somit eine visuelle Verbindung her. Die zu den Seiten hin offene Holzschalung ermöglicht weitere Durchblicke zum Hof und zum Eingang der Giardini.
Schlichte, kostengünstige und konstruktive Lösungen prägen das Erscheinungsbild des Pavillons. Die einfache Holzkonstruktion wird auf einen sich in den Bestand integrierenden Stahlrahmen auf Stützen gesetzt. Jedes Element sowie die Tragstruktur bleibt sichtbar und trägt so zum Ausdruck des Gebäudes bei.Die Fassadenschalung der ungedämmten Wandelemente besteht aus unbehandelten in enger, vertikaler Reihung angebrachten Brettern. Die Feinheit ihrer Gliederung nimmt den Dialog mit der Textur der bestehenden Backsteinfassade und den filigranen Stützen auf. Ihr unterschiedlicher Rhythmus gibt dem Baukörper die gewünschte Offenheit und Leichtigkeit. Gleichzeit spannt die einfache Holzkonstruktion den Bogen zu den gemeinschaftlichen Holzpavillons in Makoko.
Dimensionierung des Pavillons:
20.0m Lang, 4.4m Breit und 3.8m Hoch
Die Elemente werden in Abhängigkeit der Transportmittel und den maximalen Kranlasten entwickelt. 

Dichte im Dialog
Zur freien Nutzung der Ausstellungsfläche im bestehenden Pavillon laden wir vorzugsweise ein Land oder mehrere
Länder ohne eigenen Pavillon in den Giardini ein.
Das Gastgeberland Schweiz zieht in den temporären Pavillon, den Dialograum, ein. 
Dort und im Erdgeschoss wird das noch zu bestimmende, von der Biennale vorgegebene Thema aufgegriffen. Dem jeweiligen Gast-Land ist es freigestellt, ein passendes Format in einer selbstgewählten Disziplin beizusteuern. Erlaubt ist fast alles, von der Musik über die Performance, den Film bis zur Ausstellung. Die ausgewählte Nation ist dazu aufgerufen, sich das Territorium anzueignen. Die Ressource Pavillon hält ihrerseits genügend Raum für gegenseitigen Austausch oder einfach nur zum Verweilen bereit.
Zunächst verdichten wir den Pavillon - die territoriale Ressource der Schweiz - um mehr Raum zu schaffen. Gleichzeitig stellen wir uns den Herausforderungen von Zuwanderung und weiter wachsender Weltbevölkerung und suchen nach neuen Wegen des Zusammenlebens im öffentlichen Raum. Wir teilen den Pavillon mit einem anderen Land, treten in den Dialog mit dem Fremden und lernen voneinander.

Ausstellungskonzept
1. Physische Präsenz von Verdichtung durch Aufstockung: Schaffen von Raum
2. Ressourcen freigeben zur Bespielung durch ein anderes Landes: Abgeben von Raum
3. Anregung des Dialogs zwischen der Schweiz und dem Gastland  durch folgende Ausstellungskomponenten:
         - Präsentation von unterschiedlichen Lösungen und Visionen zum Umgang mit öffentlichem Raum und dem Thema Shared Resources. Wir kuratieren in einer Version Light, indem wir zum Thema eingereichte Projekte auswählen.
         - die Produktion eines Videos: Betroffene, Architekten und Forscher aus beiden Ländern im Dialog
         - der Pavillon als Raum der Begegnung und Interaktion
         - durch das Rahmenprogramm
Auswahl Gast-Land Nigeria
- Nicht vertreten in den Giardini
- Der Kontinent Afrika ist an der Biennale untervertreten
- Statistik des Arty-Magzins über beteiligte Künstler an der Kunstbiennale 2017: Afrika 5%, Schwarze 4%
- Mit ca. 180 Mio. Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Weiter steigend, jeder 6. Afrikaner ist Nigerianer!
- Zwischen der Schweiz und Nigeria existiert ein mehr oder weniger sichtbares Netz aus wirtschaftlichen Abhängigkeiten und politischen Interessen, aber auch ein Netzwerk von Know-How, Engagement und Mitgefühl.
- Persönliche Beziehung zu Nigeria durch Carles Job
Themenbereiche für den Call
- Fokus auf Shared Resources
- Räume, die sich Menschen aneignen und ihren Bedürfnissen anpassen
- Ungeplante Aktivitäten in geplanten Räumen
 
Die Werke müssen in eine der folgenden Kategorien passen:
- Wohnungswesen: gemeinsame öffentliche Bereiche, kommunale Einrichtungen
- Bildungseinrichtungen: mit benachbarten Gemeinschaften geteilte Räume
- Gesundheitseinrichtungen: Räume für gemeinschaftliche Interaktion
- Infrastruktur Einrichtungen: z.B. Fußgängerbrücken als vertikale Märkte, Straßen, multi-funktionale Räume
- Öffentliche Freiflächen: Straße / Markt / Bereiche mit Schwerpunkt auf dem Kollektiv
 
Materialität & Technik / Abfall ist nur eine Ressource am falschen Ort!
Beispiele, in denen Materialien neu, formell oder informell, wiederverwendet werden.
Kurzbeschreibung Projekte aus Nigeria
1. Projekt: Makoko Neighborhood Hotspot (since 2014)
Name: Makoko Hub | Fabienne Hoelzel
Category: Shared infrastructure facility
Der Makoko Neighborhood Hotspot wurde als technische und soziale Infrastruktur für eine der bekanntesten städtischen Slumsiedlungen von Lagos entworfen - Makoko. Der mit erneuerbarer Energie betriebene und mit Biogas-Gemeinschaftstoiletten ausgestattete Hotspot soll als Infrastruktur-Hub für urbane Dienstleistungen und als Business-Inkubator dienen. Eines der langfristigen Ziele der Neighborhood -Hotspot-Initiative ist es, die Regierung dafür zu begeistern, wie der dramatische Mangel an Infrastruktur für große Teile der Bevölkerung mit strategischen und dennoch kostengünstigen Interventionen bewältigt werden könnten.
2. Project: Monochrome Lagos ( A digital archive ), 2013 – ongoing
Name: Logo “Logor” Oluwamuyiwa
Category: Public Open Spaces
Die Fotoserie „Monochrome Lagos“ ist ein alternatives visuelles Vokabular, das uns dabei hilft den „großen menschlichen Karneval“ der bevölkerungsreichsten afrikanischen Stadt zu verstehen. Logo Oluwamuyiwa zerlegt Lagos in seine Bestandteile und dokumentiert die Konfrontation seiner Bewohner mit der urbanen Wirklichkeit.
3. Project: Penumbra Park
Name: ACID African Collaborative Institute of Design
Category: Housing and Communal Infrastructure
Kriege, Konflikte oder Naturkatastrophen zwingen die Menschen dazu, aus ihren Wohnorten und Dörfern zu fliehen. Wenn sie ihr Land verlassen und sich andernorts niederlassen, werden sie Flüchtlinge genannt. Innerhalb des eigenen Landes bezeichnet man sie als Internally Displaced People (IDP). Mit 2.1 Millionen Menschen leben in Nigeria die meisten IDPs auf dem afrikanischen Kontinent. Etwa 91,15% dieser Verschiebungen geschehen aufgrund der Folgen von Aufständen und Konflikten. Das Penumbra-Wohnprojekt ist Teil einer Strategie, Opfer des Aufstandes in Nord-Ost-Nigeria im urbanen Raum zu integrieren. Abuja Stadt ist eines der beliebtesten Ziele. Das Durumi Camp in Abuja dient als Pilot des Penumbra-Projektes, das kostengünstige Unterkunft für 425 Familien, bestehend aus 2740 Menschen, zur Verfügung stellt. Die IDPs sind dabei ihre eigenen Handwerker und bauen ihre Häuser selbst.
4. Project: Shanty Mega-Structures
Name: Olalekan Jeyifous
Category: Housing | Infrastructure facilities
Diese Bilder kombinieren privilegierte, viel begehrte Immobilien in Lagos mit riesigen, vertikalen Siedlungen der Verarmten und Ausgegrenzten. Es ist ein visuelles Gespräch über Slums als unansehnliche Haufen, die sich leicht wegradieren und ihre Bewohner obdachlos werden lassen. Die Schreckensvision der Enteigneten, die meist unter dem Mangel an geeigneten sanitären Anlagen, Elektrizität, medizinischer Versorgung und modernen Kommunikationsmitteln leiden, wird deutlich sichtbar und ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.
5. Project: Uneven Growth
Name:  NLÉ + Zoohaus | Inteligencias Colectivas
Category: Housing | Public Ammenities
Wasser im Jahr 2050: Die 4. Festlandbrücke hat endlich eine Ringstraße um Lagos errichtet. Mit dem Schnellboot kann man nun in nur 20 Minuten das Stadtzentrum durchqueren. Das neu entstandene Stadtzentrum verbindet das innovative Makoko, die großen Ambitionen von Eko Atlantic City und die Besonderheiten von Venedig und Amsterdam. Energie im Jahr 2050: Erneuerbare Energien sind an der Tagesordnung. Die Stadt ist vorwiegend netzunabhängig. Geplante Energieprototypen kombinieren öffentliche und private Initiativen durch Umwandlung früherer Infrastrukturen - Recycling-Generatoren und zweckmäßige Hochspannungskabel als städtische Architektur.
6. Project: Water Bottle House
Name: Eco Tec
Category: Housing | Recycling
Ein aus PET-Flaschen ohne Zement und Klebstoffe gebautes Haus. Die Verwendung des Rohstoffs Abfall lindert das Umweltproblem und fördert durch Einbindung der Bevölkerung die soziale Entwicklung.
 
Dialog-Bumerang
Die zentrale Bedeutung des Dialogs manifestieren wir mit der Produktion eines Videos. Betroffene, Architekten, Forscher und Kulturschaffende aus beiden Ländern kommen zu Wort und nehmen zu drängenden Fragen Stellung.
Beispiele:
- Der Umgang mit Themen wie Ressourcenmangel, Zuwanderung, Umwelt, wirtschaftlichen Verflechtungen und globaler Verantwortung aus Schweizer Perspektive? Lösungsvorschläge?
- Welche Möglichkeiten, Strategien gäbe es ohne politische und wirtschaftliche Interessen (Kommerzialisierung von natürlichen Ressourcen, Öl-, Energie- und Bauindustrie)?
- Was können wir voneinander lernen? (Genossenschaften, Bürgerinitiativen, Nachbarn)
- Persönliche Bedürfnisse aus Schweizer und nigerianischer Sicht? Leben versus Überleben?
 

Webdesign
Brigitte Lampert

Webentwicklung
internauta by Hanna Züllig

Fotos
Corina Ebeling, Christian Voss

Texte
Corina Ebeling

MwSt.-Nr.
CHE-455.791.459 MWST

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